Mai 2026Wohnraumdynamik in Zürich und der Schweiz
Fürschi Züri
Die Studie untersucht die Wohnraum- und Bevölkerungsdynamik in den vier grössten Agglomerationen der Schweiz – Zürich, Genf, Basel und Lausanne – und legt den Fokus auf Zürich. Sie baut auf der Studie «Wohnraum für Zürich und die Schweiz» (2025) auf, richtet den Blick nun aber auf die Bevölkerung. Datengrundlage sind Individualdaten aus dem Bevölkerungsregister und dem Gebäude- und Wohnungsregister des Bundesamts für Statistik für die Jahre 2016 bis 2024 sowie Mietpreisdaten aus der Strukturerhebung. Untersucht wird, wie sesshaft die Bevölkerung ist, wie gut der Wohnraum auf die Bewohnenden verteilt ist, was Leerkündigungen für die Betroffenen bedeuten und wie sich Neubau auf ein Quartier auswirkt. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Die Bevölkerung ist deutlich sesshafter, als die Debatte um Verdrängung vermuten lässt. Die Umzugsquoten sind seit 2016 stabil, und rund zwei Drittel der vor 2016 Ansässigen leben acht Jahre später noch in derselben Gemeinde. Aus der Agglomeration Zürich sind nur 14 Prozent weggezogen – aus der Stadt Zürich ist der Wegzug zuletzt sogar leicht zurückgegangen. Eine zunehmende Verdrängung lässt sich in den Daten nicht feststellen. Stabilität bedeutet jedoch nicht immer Zufriedenheit. Wo passende Wohnungen fehlen, verbleiben Haushalte in einer Wohnung, die nicht mehr zu ihrem Leben passt (Lock-In-Effekt). Am stärksten zeigt sich dies in Genf: In der Stadt lebt mehr als die Hälfte der Familien mit Kleinkindern in einer überbelegten Wohnung, und junge Erwachsene ziehen rund anderthalb Jahre später aus dem Elternhaus aus als in Zürich. Nicht Verdrängung ist hier das Problem, sondern der Mangel an passendem Wohnraum. Leerkündigungen sind im Raum Zürich am häufigsten, weil hier besonders viele Ersatzneubauten entstehen. Sie haben seit 2016 jedoch nicht zugenommen und betreffen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Die meisten Betroffenen finden wieder eine Wohnung in ihrer Gemeinde oder sogar in ihrem Quartier. Sie zahlen danach zwar einen höheren Quadratmeterpreis, bleiben aber unter dem Niveau anderer Umziehender. Auf Quartiersebene wird sichtbar, dass eine rege Bautätigkeit der Verdrängung entgegenwirkt: Quartiere mit vielen neuen Wohnungen halten ihre Bevölkerung besser und beherbergen mehr Familien. Einen preistreibenden Effekt auf die Bestandsmieten in der Nachbarschaft – die häufig befürchtete Gentrifizierung – zeigen die Daten nicht. Mehr Wohnungsbau hilft damit gerade ansässigen Familien und jungen Erwachsenen, in ihrem Quartier zu bleiben.
Gerlinde Theunissen arbeitet seit Frühling 2025 bei Sotomo. Ihre Schwerpunkte liegen auf sozialräumlichen Analysen. Sie promovierte in den Politikwissenschaften mit einem Schwerpunkt auf räumlichen Daten und Analysen zu Ungleichheiten in Nachbarschaften.
Michael Hermann studierte Geografie, Volkswirtschaft und Geschichte an der Universität Zürich. Er promovierte am Geografischen Institut der Universität Zürich zum Thema «Werte, Wandel und Raum».