Die zweite Aus­gabe des «SVV Sicher­heits­mo­ni­tors», her­aus­ge­ge­ben vom Schwei­ze­ri­schen Ver­si­che­rungs­ver­band, stellt die Alters­vor­sorge ins Zen­trum. Die Studie beruht auf einer repräsentativen Online­be­fra­gung von 1013 Erwach­se­nen in der Schweiz im April 2019. Die Befra­gung zeigt, dass das Sicherheitsbedürfnis der Schwei­zer Bevölkerung in den meis­ten Lebens­be­rei­chen gedeckt ist. Dies gilt für die Wohn­si­tua­tion und das soziale Umfeld ebenso wie für den Arbeits­platz und die poli­zei­li­che Sicher­heit. Demgegenüber besteht ein mar­kan­tes Sicher­heits­de­fi­zit in der Alters­vor­sorge. Nur 23 Pro­zent der befrag­ten Per­so­nen sehen sich in diesem Bereich voll und ganz abge­si­chert. 40 Pro­zent sehen hin­ge­gen ihr Sicherheitsbedürfnis gar nicht befrie­digt. Dies zeigt, dass die finan­zi­elle Alters­vor­sorge zu den zen­tra­len Her­aus­for­de­run­gen im (sub­jek­ti­ven) Sicherheitsgefüge der Schwei­zer Bevölkerung gehört. Ent­spre­chend beschäftigt sich der Sicher­heits­mo­ni­tor 2019 schwerpunktmässig mit dem Thema der Alters­vor­sorge.

Gradueller Übertritt in den Ruhestand

Heute ent­schei­det sich ein gros­ser Teil der Schwei­zer Erwerbstätigen vor dem gesetz­li­chen Ren­ten­al­ter aus dem Erwerbs­le­ben aus­zu­schei­den. Welche Rah­men­be­din­gun­gen könnten aus Sicht der Befrag­ten dazu bei­tra­gen, dass sie länger arbei­ten würden und damit das Ren­ten­sys­tem stärken? Nur eine von sieben skiz­zier­ten Mass­nah­men findet bei einem sub­stan­zi­el­len Teil der aktu­ell Erwerbs‐ tätigen Anklang. Es ist dies die Möglichkeit zur schritt­wei­sen Reduk­tion des Arbeits­pen­sums. 37 Pro­zent der 56- bis 65-Jährigen sehen darin einen für sie selbst wirk­sa­men Ansatz für einen Auf­schub der Pen­sio­nie­rung. Die vor­lie­gende Befra­gung zeigt folg­lich, dass die schritt­weise Reduk­tion des Arbeits­pen­sums der womöglich erfolg­ver­spre­chendste Ansatz ist, die Erwerbs­phase zu verlängern. Die Fle­xi­bi­li­sie­rung des Ren­ten­al­ters, die gerne als Königsweg für eine auf die indi­vi­du­el­len Umstände ange­passte Erhöhung des Ren­ten­al­ters ange­se­hen wird, scheint dage­gen weni­ger Anklang zu finden.
Zur Alters­vor­sorge im wei­te­ren Sinn gehört der Umgang mit dem Risiko einer Pflegebedürftigkeit. Die Umfrage gibt hier alar­mie­rende Erkennt­nisse wieder: Nur gerade ein Vier­tel der Schwei­zer Bevölkerung fühlt sich für diesen Fall aus­rei­chend abge­si­chert.

Furcht vor sinkendem Rentenniveau

Und wie sicher sind unsere Renten? Fast drei Vier­tel der Befrag­ten gehen davon aus, dass das Ren­ten­ni­veau in der Schweiz in Zukunft sinken wird. 22 Pro­zent erwar­ten dabei sogar ein deut­li­ches Sinken. Nur eine Min­der­heit geht davon aus, dass die Poli­tik aktiv Rentenkürzungen beschliesst. Die grosse Mehr­heit glaubt dage­gen, dass der Reform­stau weiter anhält und die Renten trotz­dem sinken werden. Dies bringt die Erwar­tung der Befrag­ten zum Aus­druck, dass sich das System gewis­ser­mas­sen auto­ma­tisch den demo­gra­fi­schen Sachzwängen anpasst und feh­lende Ein­nah­men mit tie­fe­ren Renten kom­pen­siert werden.

Das Ansparen in der 2. Säule bevorzugt und gleichzeitig in Frage gestellt

Die Befra­gung zeigt, dass das Prin­zip der obli­ga­to­ri­schen beruf­li­chen Vor­sorge in der zwei­ten Säule (BVG) im Ver­gleich zur ersten Säule ten­den­zi­ell als siche­rer, nach­hal­ti­ger und effi­zi­en­ter eingeschätzt wird. Das Umla­ge­ver­fah­ren der AHV wird dage­gen häufiger mit der Fair­ness unter den Genera­tio­nen in Ver­bin­dung gebracht. Ins­ge­samt sind 38 Pro­zent der Befrag­ten der Ansicht, dass die zweite Säule in Zukunft mehr Gewicht bei der Ren­ten­fi­nan­zie­rung haben soll. Deut­lich weni­ger (28 Pro­zent) wünschen sich dage­gen eine Ver­schie­bung hin zur umla­ge­fi­nan­zier­ten ersten Säule (AHV). Der Glaubwürdigkeit der 2. Säule zum Trotz stellt sich eine rela­tive grosse Mehr­heit der befrag­ten Per­so­nen gegen die Sen­kung des Umwand­lungs­sat­zes. Von vielen wird die Lösung der Finan­zie­rung des ständig wach­sen­den Ungleich­ge­wichts von Jung zu Alt in der Sozia­li­sie­rung des Defi­zits gese­hen. Die All­ge­mein­heit soll (etwa in Form von Mehrwertsteuerbeiträgen) für das Defi­zit der Pen­si­ons­kas­sen auf­kom­men. Es ist das Dilemma der Reform der Alters­vor­sorge in der Zeit des demo­gra­phi­schen Wan­dels: Zwar wollen die wenigs­ten ein Defi­zit anhäufen, zugleich sollen auch die Renten möglichst unan­ge­tas­tet blei­ben. Geht es um kon­krete Mass­nah­men der Ren­ten­re­form, wird am deut­lichs­ten die Anglei­chung des Frau­en­ren­ten­al­ters an jenes des Mannes unterstützt. Dies zeigt auf, dass in dieser hoch­po­li­ti­schen Frage ein Sin­nes­wan­del statt­fin­det. Am zweit­meis­ten Unterstützung findet die Erhöhung der Mehr­wert­steuer. Bemer­kens­wert hoch ist die Unterstützung für eine Reduk­tion der AHV‐Renten für Gut­ver­die­nende.

Drohende Aushöhlung von Föderalismus, Konkordanz und Miliz

Eine wich­tige Vor­aus­set­zung für das Sicher­heits­emp­fin­den wird durch die poli­ti­sche Grund­ord­nung geschaf­fen, die für einen mehr oder weni­ger sta­bi­len Rahmen sorgt. Im abschlies­sen­den Teil des «SVV Sicher­heits­mo­ni­tors» geht es um diesen Rahmen und dessen spe­zi­fisch schwei­ze­ri­sche Ausprägungen. Nach wie vor werden die typi­schen Merk­male der schwei­ze­ri­schen Grund­ord­nung von einer gros­sen Mehr­heit getra­gen. Die Umfra­ge­er­geb­nisse zeigen jedoch, dass sich ein mar­kan­ter Graben zwi­schen den unter­such­ten Merk­ma­len öffnet. Während die direkte Demo­kra­tie und die Neutralität auch im persönlichen Bedeu­tungs­ho­ri­zont der Befrag­ten ver­an­kert sind, gilt dies für andere Grund­pfei­ler des schwei­ze­ri­schen Poli­tik­sys­tems nur noch beschränkt. Nur je ein Fünftel sieht die Prin­zi­pien Föderalismus, Kon­kor­danz und Miliz auch persönlich als wich­tig an. Die drei Prin­zi­pen werden zwar im Abs­trak­ten gut­ge­heis­sen, das Bekennt­nis zu ihnen droht jedoch immer mehr zu einem blos­sen Lip­pen­be­kennt­nis zu werden.

Die Studie wurde im Auf­trag des Schwei­ze­ri­schen Ver­si­che­rungs­ver­ban­des (SVV), dem Dach­ver­band der Pri­vat­as­se­ku­ranz, durch­ge­führt. Fach­lich beglei­tet wurde sotomo von der Dozen­tur Mili­tär­so­zio­lo­gie der Mili­tär­aka­de­mie (MILAK) an der ETH Zürich.

Die gesamte Studie können Sie hier her­un­ter­la­den (PDF): DE/FR.

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