Poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen können die Wahr­neh­mun­gen und die Hal­tung der Bevöl­ke­rung ver­än­dern. Die jähr­li­che Wie­der­ho­lung des SVV Sicher­heits­mo­ni­tors macht solche Ver­än­de­run­gen und Ent­wick­lun­gen in der Ein­stel­lung der Bevöl­ke­rung sicht­bar.

Die Mitte März durch den Bun­des­rat aus­ge­ru­fene «aus­ser­or­dent­li­che Lage» zur Bekämp­fung der Covid-19-Pan­de­mie hatte gra­vie­rende Aus­wir­kun­gen auf die Geschäfts­tä­tig­keit in der Schweiz. Diese wirt­schaft­li­che Unsi­cher­heit spie­gelt sich in der Wahr­neh­mung der Schwei­zer Bevöl­ke­rung. Zwar ver­mit­telt ein Arbeits­platz der Erwerbs­be­völ­ke­rung wei­ter­hin Sicher­heit (59 Pro­zent). Aller­dings zeigt sich im Juni 2020 eine spür­bare Ver­un­si­che­rung, was diesen anbe­langt: Gab vor einem Jahr noch mehr als die Hälfte der Erwerbs­be­völ­ke­rung an, dass sie ihre Erwerbs­tä­tig­keit als genü­gend gesi­chert ein­schätzt, ist es im Juni 2020 nur noch jede dritte erwerbs­tä­tige Person. Ein Vier­tel schätzt die kon­krete Gefahr eines Arbeits­platz­ver­lusts in den nächs­ten zehn Jahren als gross ein.

Schritt­wei­ser Über­gang in den Ruhe­stand

Finan­zi­elle und soziale Absi­che­rung tragen dazu bei, dass sich die Bevöl­ke­rung sicher fühlt. Durch die demo­gra­fi­sche Alte­rung und die tiefen Zinsen gerät die obli­ga­to­ri­sche Alters­vor­sorge jedoch zuneh­mend in finan­zi­elle Schief­lage. Den­noch gehen nach wie vor drei von vier Erwerbs­tä­ti­gen davon aus, vor oder mit dem gesetz­li­chen Ren­ten­al­ter in Pen­sion zu gehen, was das System weiter unter Druck setzen könnte. Anreiz für einen spä­te­ren Ruhe­stand könnte ihnen einer­seits die Mög­lich­keit einer schritt­wei­sen Reduk­tion des Erwerbs­pen­sums geben (53 Pro­zent). Ande­rer­seits schlies­sen auch 45 Pro­zent nicht aus, dass finan­zi­el­ler Druck etwa infolge von Ren­ten­kür­zun­gen eine län­gere Erwerbs­tä­tig­keit erfor­dert. In der Bevöl­ke­rung über­wiegt die Ansicht, dass zukünf­tige Genera­tio­nen mit tie­fe­ren Renten aus­kom­men müssen (77 Pro­zent). Im Gegen­satz zum Vor­jahr begrün­den in der aktu­el­len Erhe­bung Per­so­nen, die von sin­ken­den Renten aus­ge­hen, ihre pes­si­mis­ti­sche Ein­schät­zung weni­ger häufig mit der Finan­zie­rungs­lü­cke in der ersten Säule als mit der Unter­fi­nan­zie­rung der zwei­ten Säule.

Sin­ken­der Lebens­stan­dard auf­grund sin­ken­der Renten

Nur jede vierte erwerbs­tä­tige Person geht davon aus, dass sie ihren Lebens­stan­dard nach der Pen­sio­nie­rung halten kann. Die Ein­schät­zung der finan­zi­el­len Per­spek­tive und der zukünf­ti­gen Ren­ten­ent­wick­lung hängen dabei zusam­men: Bevöl­ke­rungs­grup­pen mit einer eher pes­si­mis­ti­schen Ein­schät­zung der Ren­ten­ent­wick­lung, wie Frauen oder die 45- bis 64-Jäh­ri­gen, rech­nen ten­den­zi­ell häu­fi­ger mit einem tie­fe­ren Lebens­stan­dard im Ruhe­stand. Men­schen mit hohen Ein­kom­men gehen zwar eher von sin­ken­den Renten aus. Sie rech­nen jedoch sel­te­ner mit einem tie­fe­ren Lebens­stan­dard im Alter, wohl auf­grund einer stär­ker ali­men­tier­ten pri­va­ten Vor­sorge.

Erste Säule gibt wieder mehr Sicher­heit

Die etwas posi­ti­vere Ein­schät­zung der ersten Säule in diesem Jahr zeigt sich auch darin, dass das Umla­ge­ver­fah­ren der AHV der Bevöl­ke­rung wieder mehr Sicher­heit gibt als noch 2019 (33 Pro­zent, +6 Pro­zent­punkte). Die Bevöl­ke­rung erach­tet aller­dings nach wie vor das Kapi­tal­de­ckungs­ver­fah­ren für nach­hal­ti­ger, effi­zi­en­ter und siche­rer als das Umla­ge­ver­fah­ren. Die Bevöl­ke­rung prä­fe­riert des­halb häu­fi­ger das Kapi­tal­de­ckungs­ver­fah­ren der zwei­ten Säule (36 Pro­zent) als das Umla­ge­ver­fah­ren der ersten Säule (24 Pro­zent). Das Umla­ge­ver­fah­ren wird aber als fairer bewer­tet.

Eigen­ver­ant­wor­tung för­dern

In der ersten Säule sieht die Bevöl­ke­rung vor allem die All­ge­mein­heit in der Pflicht, um der Unter­fi­nan­zie­rung der AHV ent­ge­gen­zu­wir­ken. Geht es aller­dings um kon­krete Reform­mass­nah­men bei der Alters­vor­sorge, würde die Bevöl­ke­rung am stärks­ten auf die För­de­rung der drit­ten Säule und eine Anglei­chung des Ren­ten­al­ters der Frauen an jenes der Männer setzen (49 Pro­zent bzw. 46 Pro­zent). Deut­lich weni­ger häufig wird eine Erhö­hung der Mehr­wert­steuer befür­wor­tet. Eine all­ge­meine Erhö­hung des Ren­ten­al­ters lehnt die Bevöl­ke­rung dage­gen in der Ten­denz ab. Ebenso ist eine Reduk­tion der Renten der ersten und zwei­ten Säule für kaum jeman­den eine Option.

Rele­vanz von Sozial- und Umwelt­stan­dards bei Kapi­tal­an­la­gen

Die Bevöl­ke­rung sieht im Kli­ma­wan­del vor allem global eine grosse Gefahr (80 Pro­zent). Für mehr als jede zweite Person birgt die Ver­än­de­run­gen des Klimas aller­dings auch für die Schweiz ein gros­ses Gefah­ren­po­ten­zial (52 Pro­zent). Zu diesem Bewusst­sein passt, wie der Begriff «Nach­hal­tig­keit» ver­stan­den wird: Unter einer nach­hal­ti­gen Kapi­tal­an­lage ver­steht die Bevöl­ke­rung vor allem eine, die Sozial- oder Umwelt- und Kli­ma­stan­dards berück­sich­tigt (76 Pro­zent bzw. 69 Pro­zent). Weni­ger als jede zweite Person sub­su­miert dage­gen unter diesem Begriff gute Unter­neh­mens­füh­rung wie etwa der Schutz der Aktio­närs­rechte oder Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung. Nach Ansicht einer Mehr­heit der Bevöl­ke­rung sollen Pen­si­ons­kas­sen und Ver­si­che­run­gen bei einem Ziel­kon­flikt zwi­schen der Nach­hal­tig­keit und der Ren­dite dabei zumin­dest teil­weise die Nach­hal­tig­keit prio­ri­sie­ren. Nur knapp jeder fünfte Person for­dert eine klare Prio­ri­sie­rung des finan­zi­el­len Gewinns. Vor allem Per­so­nen, die unter Nach­hal­tig­keit die Ein­hal­tung von Sozi­al­stan­dards sowie Umwelt- und Kli­ma­stan­dards ver­ste­hen, messen dem Nach­hal­tig­keits­aspekt einer Kapi­tal­an­lage eine ver­gleichs­weise grosse Bedeu­tung zu.

Die Studie wurde im Auf­trag des Schwei­ze­ri­schen Ver­si­che­rungs­ver­ban­des (SVV), dem Dach­ver­band der Pri­vat­as­se­ku­ranz, durch­ge­führt. Fach­lich beglei­tet wurde sotomo von der Dozen­tur Mili­tär­so­zio­lo­gie der Mili­tär­aka­de­mie (MILAK) an der ETH Zürich.

Die gesamte Studie können Sie hier her­un­ter­la­den (PDF): DE/FR.

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